Guild Wars 2

RP-Hotspots sind kein Ort für reinen RP-Konsum - Drei Organisatoren kommen zu Wort

Das Rollenspiel in der Umgebung eines MMORPGs unterscheidet sich in einigen Dingen von dem in einer PnP-Runde oder bei einem Forenspiel, und damit ergeben sich auch einige Schwierigkeiten, die man in einer festen Gruppe nicht unbedingt hat.
Heute möchte ich mit der Hilfe dreier Spieler, die in den vergangenen Jahren Rollenspiel-Hotspots organisiert haben, einen Blick auf das Lebensblut des MMORPG-Rollenspiels werfen:
Regelmäßig stattfindende, von Spielern organisierte Veranstaltungen. Gerade für Rollenspiel-Neulinge sind regelmäßg stattfindende Tavernen oder Begegnungspunkte anderer Art die beste Möglichkeit, andere Rollenspieler kennenzulernen und idealerweise auch zu sehen, wie der Hase läuft. Wie viel Arbeit und Herzblut für die Organisatoren in solchen Projekten steckt, ist für die Besucher eines solchen Events meist unsichtbar oder wird nicht beachtet.

Ebenso, dass der "Erfolg" eines Projektes, der sich für viele durch viele wiederkehrende Besucher bemisst, nicht unbedingt hilfreich ist. Die meisten MMORPGs haben für Rollenspieler nur eine Hauptmöglichkeit der Kommunikation - den Ingame-Chat, in dem alle Äußerungen der Spieler an einem bestimmten Ort abgebildet werden. Je mehr Spieler, desto mehr Chatmeldungen. Das kann bei einem 'vollen Haus' sehr schnell in einer enormen Menge an Chatzeilen enden, die für die Spieler zur Qual werden, weil man weder eigene Äußerungen noch die Reaktionen der Mitspieler darauf noch herauslesen kann. 
Es setzt sich gerne eine gewisse Konsumhaltung durch, bei der die regelmäßigen Besucher das Angebot der Organisatoren zwar annehmen und besuchen, aber nichts ausser Anwesenheit dazu beitragen. Dabei leben derartige Angebote besonders davon, dass von den Besuchern etwas zurück kommt, und sei es nur, sich selbst ein wenig zurückzuhalten und nicht immer die Nummer Eins darstellen zu müssen.
Da eine omnipotente Spielleitung nicht existiert, müssen sich die Event-Organisatoren neben angenehmen Gästen immer wieder mit Spielern auseinander setzen, die aus Spaß an der Freude stören, versuchen die Gäste zu belästigen oder allgemein den anderen das Spiel zu verderben. Es gibt viele Faktoren, die das Organisieren erschweren und manchmal sehr mühsam machen.

Aber lange Rede, kurzer Sinn: Ich selbst habe im Lauf meiner eigenen Spiel-Karriere beide Seiten kennengelernt und bei SW:ToR etwa ein Dreivierteljahr eine Cantina (Nexusraumcantina, Dromund Kaas) organisiert, aber auch immer wieder die Events anderer besucht.
Aus diesem Blickwinkel heraus erscheint es mir wichtig, anderen Organisatoren die Gelegenheit zu geben, über ihre Projekte zu sprechen und zu zeigen, was sie daran als bereichernd, was als anstrengend empfinden. 
Meine Gesprächspartner sind: Neal Gallagher ("Slice'n'Dice" Sicherheitschef, SW:ToR), Eik Legendensänger ("Rekkins Rast" Wirt, GW2) und Aanika Weißpelz ("Löwenschatten" Wirtin, GW2; "Elbenabendessen" Gastgeberin, LotRO).
1. Bitte erläutere, welche Rolle Du gespielt hast und welches Projekt Du betreut hast/betreust.

Neal Gallagher:
Bei dem Projekt handelte es sich um das Slice & Dice, einer bespielten Cantina in Star Wars: The Old Republic. Ich hatte IC die Rolle des Security-Chefs inne und habe mir OOC die Projektleitung und Organisation mit der IC-Geschäftsleitung geteilt.

Eik Legendensänger: Ich spiele die Rolle eines Wirtes von „Rekkins Rast“, einem Gehöft im Startgebiet der Norn auf dem GW2-Server „Drakkar See“. Der Ort wird von uns als Wirtshof bespielt, der einmal wöchentlich zum freien Rollenspiel in Tavernenumgebung geöffnet ist. Auch darüber hinaus gibt es dort viel Rollenspiel, seien es vereinzelte Gäste an anderen Wochentagen oder das stete RP der Bewohner des Wirtshofes. Rollenspiel an Rekkins Rast umfasst Tavernen/Social-RP, Events, Plots, Ambiente und Charakterspiel. 

Aanika Weißpelz: Von etwa Januar 2010 bis September 2012 war es das alldonnerstägliche Elbenabendessen auf dem deutschen HdRO-RP-Server Belegaer. Ein offener Treffpunkt unter Elbenschirmherrschaft, den meine Elbin Silanwen ins Leben gerufen hatte.
Silanwen war dort die Gastgeberin, die aber auch bedient hat, um eben genau die Gleichstellung mit den anderen Gästen (eben auch Nicht-Elben) zu betonen. Ab Oktober 2012 habe ich dann die Rolle der Löwensteiner Wirtin Aanika Weisspelz in GW2 auf Drakkar-See übernommen und das dortige Löwenschatten bespielt. Jeweils am Dienstag ab 20 Uhr.
Genauso war ich aber auch ständiger Gast beim Donnerstags-Bierrat in Rekkins-Rast, auch auf Drakkar-See, in der mein Charakter Aanika im September 2013, neben Eik und Tuula auch eine Wirtinnen-Rolle übernommen hat.

2. Warum hast Du diese Rolle übernommen und wie lange bespielst Du den Hotspot bereits?

Neal Gallagher: Die Rolle wurden erst festgelegt, nachdem wir uns – damals noch als Gilde – entschlossen hatten, das Projekt zu übernehmen. Für uns als Leitung war es wichtig auch IC-Leitende Rollen zu haben, um OOC-Vorgaben umsetzen zu können, daher teilten wir die Rollen der Geschäftsleitung und Security auf. Und ich mag einfach Waffen. Von uns wurde das Slice im Zeitraum vom Release im Dezember 2011 bis Juni 2012 geführt.

Eik Legendensänger: Ursprünglich als umherziehende Norn Skalden erdacht, kam vor rund einem Jahr für mich und meine langjährige Spielpartnerin bald die Idee eines bespielten Ortes auf, um den wir unser RP stricken können. Als der ideale Ort in den Wanderer Hügeln gefunden war, formte sich schnell ein stimmiges Bild und bald begannen wir, das Gehöft als Wirtshütte zu bespielen. Letztes Monat haben wir einjähriges Jubiläum gefeiert. Während dieser Zeit war der Spot durchgängig von mehr oder weniger den selben Betreibern bespielt.

Aanika Weißpelz: Aus Spass am offenen Rollenspiel. Rollenspiel lebt für mich ganz stark vom Kennen und Kennenlernen. Wenn man niemanden kennt, ist es enorm schwer, abseits von Events und Veranstaltungen wirklich sinnvolles Rollenspiel zu haben, weswegen mir persönlich das Schaffen eines solchen Ortes sehr wichtig war. Sozusagen als Anlaufstation und kleine "Gehhilfe" für Charaktere, die sich vielleicht nicht so leicht tun mit anderen in Kontakt zu kommen, wie meine eigenen Charaktere. 
Im Grunde ist es eine Art Dienst für die Community. Wirklich explizit für andere, um ihnen die Möglichkeit zu geben, Fuss zu fassen, andere und neue Leute zu treffen und darauf aufbauen zu können. Das hört sich aber vermutlich selbstloser an als es ist. Natürlich ist mir neben dem "Dienst" für andere natürlich auch eine gewisse eigene Bekanntheit wichtig. Immerhin möchte ich auch an den anderen Tagen, wenn mein Hotspot nicht offen ist, Rollenspiel haben und das geht natürlich deutlich besser, wenn man eine große Freundesliste hat.
Das Elbenabendessen habe ich fast 2,5 Jahre bespielt, bis ich von HdRO zu GW2 gewechselt habe. Die Hotspots in GW2 bestehen immernoch. Also beide seit über einem Jahr.

"Elbenabendessen" - Lord of the Rings Online

3. Was hat Dir daran den meisten Spaß bisher gemacht?

Neal Gallagher: Ich plane gerne, das war in solchen Projekten schon immer der Reiz für mich. Ich denke mir gerne kleine Events aus, von denen ich überzeugt bin, dass sie gleichermaßen kreativ und frisch für die Community sind, auf der anderen Seite aber auch so gut es geht in die Welt passen. Meine Wunschvorstellung war immer, und das wurde auch mehrmals erreicht, dass es Abende gibt, an denen Spieler in das Slice kommen und einfach eine wahrhafte Star-Wars-Atmosphäre spüren.

Eik Legendensänger: So genau kann ich das nicht definieren. Ich ziehe eine Menge Spaß aus der Interaktion mit den „Mitbewohnern“; die sich im Lauf der Zeit dort in Wirtshof und Gilde eingebracht haben. Weiters freut mich auch der stete Zuwachs an Norn-Spielern, die in Rekkins Rast eine Anlaufstelle für einen Einstieg ins RP und zahlreiche Wiederbesuche finden können.
Auch die Brauchtum-Events, die wir regelmäßig für die Norn und speziell die Rast „erfinden“ machen mir immer eine Menge Spaß. Gute Plots mit fähigen Mitspielern dürfen in dieser Aufzählung auch nicht fehlen.

Aanika Weißpelz: Das Treffen neuer Leute. Neue Bekannstchaften knüpfen und die Ausbauen, aber auch wenn ich andere dazu bringen konnte, sich mit diesem einen recht stillen Charakter da drüben in der Ecke zu unterhalten. Manche Leute brauchen immer einen kleinen Tritt auf andere zu und das ist gerade als Hotspotbeteiber relativ einfach. Es gibt Abende, da wollen 5 Leute gleichzeitig etwas, aber auch wieder andere, da hat jeder seinen Partner und ich als Wirtin kann mich lächelnd hinter der Theke zurücklehnen und den Leuten beim RP zusehen. 
Leute, die sonst vielleicht nie miteinander zu tun gehabt hätten. Ja, ich glaube das macht mir tatsächlich den meisten Spass. Zusehen, wie andere Kontakt schliessen und ich dafür die Möglichkeit geschaffen habe. Aber auch die tollen Events, bei denen jeder etwas zu tun hatte, finde ich immer ganz wunderbar. Je mehr die Leute sich dort einbringen, desto mehr Rollenspiel entsteht. Eine Taverne lebt im Grunde immer von der Initiative der Gäste. 
Sind die langweilig und fad, ist es schwer. Spielen sie aber mit und lassen sich auf mich und vor allem auch die anderen Gäste ein, bin ich zufrieden und der Abend macht mir Spass. Im Grunde ist also die Antwort: Wenn zwei, die sich vorher wirklich garnicht kannten, aufeinander zugehen und daraus vielleicht noch mehr RP wird.

4. Was hat Dich bislang am meisten genervt?

Neal Gallagher: Der Umgangston, mit dem man OOC öfters konfrontiert wurde. Dabei geht es nicht um konstruktive Kritik, die so Projekten immer hilft, sondern um viel zu oft vorkommendes Geflame, wenn jemandem etwas an den eigenen Regeln nicht passte. Man war dann wahlweise arrogant, ein Arsch, abgehoben, Community-fern oder alles gleichzeitig. Als Projektleitung muss man sich leider viel zu oft, sowohl iG wie auch in Foren, mit sowas herumschlagen.

Eik Legendensänger: Da gibt es zwei Dinge, mit denen ich gerne hadere: Zum Einen ist Tavernenspiel nicht jedermanns Sache. Es ist als „flach“ verschrieen und viele Spieler wollen sich mit solch müßigem Socializen nicht abgeben. So hat auch eine Wirtshütte schnell den Ruf weg, „McRollenspiel“ zu bieten – egal, wie ansprechend das Charakterspiel oder wie einstiegsfertig die Plots und Spielangebote dort sein mögen.
Der zweite, massive „Nerv“-Punkt ist für mich die Tatsache, über einen sehr langen Zeitraum als einzige Anlaufstelle für regelmäßiges Norn-RP bereitgestanden zu haben. In Zeiten geringer Frequenz geht das gut – erfährt die Bevölkerungszahl dieser speziellen Sparte aber einen massiven Aufschwung, wird es für die Betreiber anstrengend. Aus einem Öffnungstag die Woche wurden sieben chatrasende Abende, in denen sich die Hofbewohner größtenteils nur mehr als NSCs zur Erfüllung aller Besucherwünsche sehen konnten.

Aanika Weißpelz: Wenn sich alle nur auf den Hotspotbetreiber stürzen. Wie oben ja schon angedeutet, wird es dann einfach enorm schwierig. Ich kann zwar, dank guter Schreib- und Lesegeschwindigeit, ziemlich problemlos auch mit 3 Leuten gleichzeitig spielen, aber das geht nur eine Weile gut, bevor es für mich wirklich in Stress ausartet. 3 oder auch mal 4 Stunden geht das, dann wird es schwierig mit der Konzentration. Leute, die mich von meinem eigenen Hotspot "wegziehen" wollen, damit ich sie und nur sie eine Weile bespiele.
Das kann man an allen anderen Tagen machen, aber wenn ich meinen Hotspot geöffnet habe, dann bleibe ich dort und kümmere mich darum. Anfragen ob man "schnell mal mitgehen kann, weil man was besprechen muss" mag ich in dieser Zeit garnicht.
Und dann natürlich die Leute, die nur hinkommen, ein Bier bestellen und dann erwarten das vor ihnen Saltos geschlagen werden und sie nur zuschauen brauchen. Rollenspiel lebt für mich einfach von der Interaktion miteinander. Ich versuche schon bei der Charaktererstellung möglichst viele Anspielpunkte zu schaffen. Besonderes Aussehen... Schwächen... Wiedererkennungsmerkmale. Kommt dann aber jemand, der einfach nur eindimensional ist und von mir erwartet, dass ich ihn bespasse, lasse ich die Leute sehr bald stehen.
Am schlimmsten sind dann noch die Leute, die nichts "mitbringen", aber hinterher maulen, dass es langweilig war. Für mich geht Langeweile immer von einem selbst aus. Wenn mir langweilig ist, mache ich kein RP. Einfach, weil ich niemanden dazu zwingen will, mich in meiner Fadheit zu belustigen.

5. Auf welche Weise wurde bei dem Projekt der Spielspaß gewonnen, was hat ihn zerstört?

Neal Gallagher: Spielspaß hat erstmal jeder Spieler erzeugt, der das Projekt so akzeptiert hat, wie es ist und es iC angemessen genutzt hat. In unserem Fall also ganz normale Gäste, die sich schlicht an die Regeln gehalten haben, oder bei Regelverstößen auch bereit waren, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. (z.B. ein Rauswurf für einem Abend, wenn man eine Schießerei anzetteln will.)
Besonders angenehm und Spielspaß fördernd war es natürlich dann noch, wenn zusätzlich zu dem noch Spieler kleine Plots und Events auf uns zugebracht haben, sprich uns auch im Gegenzug für die ganze Arbeit etwas bespaßt haben. Das ist am Anfang öfters vorgekommen und war extrem angenehm, leider hat das im Laufe der Monate rapide abgenommen.

Eik Legendensänger: Zum Glück konnten wir den Verlust unserer Charakteridentitäten und damit des Spielspaßes erstmal abwenden. Jener Spielspaß in Rekkins Rast entstand über die Monate hinweg aus der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die einem jeden Gast entgegengebracht wurde und die untereinander die Bewohner zusammenschweißten. 
Als die Rast massivst überflutet wurde, mussten wir darin Abstriche machen, denn ich sah unsere Kapazitäten, jedem Herzlichkeit und Gastfreundschaft entgegenzubringen mit jedem chatrasenden Abend mehr und mehr schwinden. 
Drei Maßnahmen haben – so bilde ich mir ein – gegriffen: Durch klare Worte im Forum konnten wir eine gewisse Bewusstseinsbildung für unsere Lage innerhalb der Community erreichen. Auch eine gezielte Förderung und öffentliche Suche anderer Hotspots für ein massiv erhöhtes Spieleraufkommen hat nach unserer Beobachtung viel geholfen. Die Spieler wurden darauf aufmerksam, dass sie mit ihrem stetigen Kommen Gefahr liefen, die sie willkommen heißenden Anbieter des Hotspots abzunutzen. 
Es wurde begonnen, Eigenes zu schaffen und neue Anlaufstellen zumindest einmal anzudenken. Zuletzt haben wir dem Hotspot eine mehrwöchige Winterpause verordnet, während dem es auch keinen einzelnen Öffnungstag geben wird. Was davon alles nachhaltig wirken wird und wie es nächstes Jahr ausschauen wird, wird sich erst zeigen.

Aanika Weißpelz: Spielspass gewonnen wird durch die Leute, die sich auf die Atmosphäre einlassen und mitspielen, sich aber dabei auch selber einbringen. Man muss die Balance halten zwischen Vorpreschen und neue Dinge schaffen und Zurückhaltung, um auch den Platz zu lassen, damit andere darauf eingehen können. Und das ist die Antwort auf beide Fragen. Manche ballern am laufenden Band tolle Vorlagen raus, lassen aber nicht zu, dass jemand anderes darauf aufbaut. Weil manchmal die Zeit nicht reicht, weil es manchmal zu gezwungen ist oder weil sie vielleicht einfach Angst haben, dass sie die Initiative aus der Hand geben. 
Sitzt man wiederum nur da, beobachtet und geht auf nichts ein, bringt das genausowenig. Schlimm sind auch die Leute, die im Grunde nur eine Bühne haben wollen, damit möglichst viele Zeuge ihres RPs sind. Da wird dann garnicht auf die Atmosphäre im Hotspot geachtet, sondern man sitzt nur da oder davor und macht "sein" RP, das mit dem eigentlichen Sinn, nämlich Leute kennenzulernen, so wirklich garnichts zu tun hat. 
Und, zu guter letzt: Pöbeleien und an den Haaren herbeigezogene Konflikte. Die hasse ich und will sie nicht. Und ja, da nutze ich auch gern meine Hotspot-Spielleiterfähigkeit Kühe vom Himmel regnen zu lassen, um die Situation zu beenden. Im Grunde ist das Anfangen einer Schlägerei mit dem Hotspotbetreiber auch eine Art ihn "vom Hotspot wegzuziehen", da man den Charakter von seiner eigentlichen Aufgabe, nämlich Dreh und Angelpunkt zu sein, abhält um sich von ihm selbst bespassen zu lassen.

"Slice'nDice" - Star Wars: The old Republic

6. Wie stehst Du heute zu Deinem Projekt?

Neal Gallagher: Immer noch absolut positiv. Das Slice war, solange es für uns funktioniert hat, ein super Projekt, nur langfristig ist der Arbeitsaufwand für uns damals zuviel gewesen. Heute liegt das Projekt in den Händen von anderen Leuten, trägt aber immer noch seinen alten Namen und die Getränkeliste, Regeln, etc. Das Projekt als solches hat uns also überlebt – und das freut mich ungemein. Schließlich sollten die Projekte im Vordergrund stehen, nicht die Personen.

Eik Legendensänger: Ich stehe immer noch mit Herz und Seele hinter Rekkins Rast und der Crew, die diesen Pixelort belebt. Ich liebe die Unzahl an Geschichten, die sich dort erleben lassen und die abwechslungsreichen Themen, mit denen wir uns beschäftigen können. 
Trotz der anstrengenden Phase, in denen ich am liebsten alle Gäste mal rausgeschmissen hätte, möchte ich keineswegs das „Wirt-Sein“ aufgeben – im Gegenteil. Wir haben noch eine Menge vor und ich schaue durchaus optimistisch auf das nächste Jahr.

Aanika Weißpelz: Ich liebe das Löwenschatten und die Rast und hoffe, beide Orte noch mindestens ein weiteres Jahr betreiben zu können.

7. Was würdest Du Dir von den Mitspielern wünschen?

Neal Gallagher: Mehr Fingerspitzengefühl und mehr Respekt. Es sollte niemand meinen, er müsste vor anderen OOC auf den Knien rutschen, aber ich würde mir generell bei RP-Projekten wünschen, dass die Nutznießer solcher Projekte nicht nur für sich die guten Seiten (RP-Aktivität, bespielte Umgebung etc.), nutzen, sondern auch entsprechend etwas zurückgeben.
Dafür reicht es vollkommen aus, wenn man sich einfach an die entsprechenden IC-Regeln und Begebenheiten hält. Leider merkt man den Charakteren im RP viel zu oft an, dass es keine echten Konsequenten für sie gibt, weil die Spielmechanik in MMOs dies nicht zulässt.

Eik Legendensänger: Ich wünsche mir von meinen Mitspielern mehr Engagement und mehr Gespür für die Bedürfnisse der Gemeinschaft. Es muss nicht jeder einen regelmäßigen Hotspot aufziehen – im Gegenteil. Dennoch bietet die Spielumgebung von GW2 buchstäblich zig Möglichkeiten, Angebote zu erschaffen, anstatt die immer gleichen Felder abzugrasen. So sollten Spieler sich und ihre Charaktere öfter in eine gezielte Richtung hinterfragen: „Was kann ich anbieten?“  
Schon mit den einfachsten Ideen und ohne extremen Organisationsaufwand können Spielangebote entstehen, die festgeknüllte Massen auch mal entzerren – oder von einem Ort wegzerren. Leider steht viel zu oft die Devise „Was kann ich mitnehmen?“ im Vordergrund und Spieler rotten sich aus Bequemlichkeit am immer gleichen Fleck zusammen. 
Dabei ist Eigeninitiative zwingend notwendig, wenn es um nachhaltige Bespaßung aller geht. Meistens gilt aber: Mühen und Ideen haben sollen bitte andere – bis diese Anderen irgendwann „leer“ sind. Das dieses Denken aufbricht, wünsche ich mir von meinen Mitspielern.

Aanika Weißpelz: Das sie mehr "mitbringen", dabei aber Maß halten, um nicht den ganzen Hotspot zu übernehmen. Es ist schwierig, die Balance zu halten.

"Rekkins Rast" - Guild Wars 2

8. Würdest Du mit den bisherigen Erfahrungen nochmals ein solches Projekt aufziehen?

Neal Gallagher: Das käme sehr auf die Community an, in der ich soetwas machen würde, ausschließen würde ich es keinesfalls, einen großen Drang dahingehend verspüre ich allerdings auch nicht. Dafür halst man sich schlussendlich doch einfach nur sehr viel Ärger für nur kleinen persönlichen Gewinn auf.

Eik Legendensänger: Ja, jederzeit und mit Freuden. Ich habe sogar trotz des laufenden Projektes ständig Ideen für weitere in der Schublade. Nur die mangelnde Zeit hindert mich daran, drei oder vier Dinge gleichzeitig am Laufen zu haben. Ich bin im großen und ganzen sehr zufrieden mit der Community und darüberhinaus leidenschaftlicher „Anbieter“.

Aanika Weißpelz: Jederzeit und immer. Ich habe sehr viel Spass an meinen Hotspots und finde sie sehr wichtig, damit überhaupt RP entstehen kann. Für mich sind Hotspots und gerade da Tavernen, die absolute Basis für eine halbwegs gesunde RP Umgebung. 
Dass heisst nicht, dass man immer und dauernd in Tavernen sein muss. Aber zumindest gelegentlich sollte man sich dort schon blicken lassen, um den eigenen Horizont nicht zu einem winzigen Punkt, der aus einem selbst besteht, verkommen zu lassen.

9. Was würdest du anderen „Machern“ mit auf den Weg geben, um ihre Projekte zu erhalten?

Neal Gallagher: Ich würde ihnen raten, auch an folgende Punkte zu denken: 
  • Setzt euch feste Termine für das Projekt. 24/7-Projekte funktionieren nie dauerhaft, Stress und Aufwand werden einfach zuviel, der Ertrag dazu noch durch seine Verteilung verwässert. Lieber regelmäßige Termine mit viel Energie angehen, als versuchen etwas dauerhaft bespieltes permanent zu betreuen.
  • Sorgt euch darum, dass eure Charaktere auch ein "Leben" neben dem Projekt haben und besucht am besten auch andere Projekte, lasst euch also einfach mal selbst etwas bespaßen, damit der Charakter nicht nur mit "Arbeit" und Stress verbunden ist.
  • Seid offen für Kritik, aber habt eine klare Linie.
  • Keine vollmundigen Versprechungen, die man nicht halten kann.
  • Nehmt es nicht zu ernst. :)

Eik Legendensänger: Aus dem letzten Jahr konnte ich eine Menge Erfahrungen ziehen, wie sich solche konstanten Angebote schaukeln lassen. Wichtig ist es vor allem, sich selbst den Spaß zu erhalten und rechtzeitig „Stop!“ zu sagen, wenn man diesen gefährdet sieht. 
So viele Projekte sterben still weil die Betreiber nicht im richtigen Moment auf die Notbremse drücken, auch mal klar sagen, dass es so nicht weitergeht und daraus auch Konsequenzen ableiten. Ich mache gerade die Erfahrung, dass es auch andersherum geht. Klares Formulieren von Nöten und Sorgen führt auch zum Ziel. Wie nachhaltig, wird sich noch weisen – doch ich bin guter Dinge.

Aanika Weißpelz: Dranbleiben und nicht entmutigen lassen. Gibt gute und es gibt schlechte Tage. Wer aufgibt ist ein Mädchen!

Danke an euch drei, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Fragen zu beantworten und einen Einblick in eure Projekte und Gedanken dazu zu geben! Die verwendeten Screenshots wurden mir von meinen Gesprächspartnern zur Verfügung gestellt und stammen von ingame-Events der jeweiligen Hotspots.
Ich hoffe, diese offenen Worte helfen ein wenig, den Betreibern der Hotspots anders und positiver gegenüber zu treten - und sich selbst einzubringen, damit aus einem Alltags-Abend ein besonderer Spielabend werden kann. Viel Spaß im Spiel!

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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