Buch

Rezension: Undercover (Justifiers)

Wenn im Jahr 3042 ein Konzern unliebsame Probleme aus dem Weg schaffen will, beauftragt er seine Justifiers mit der unangenehmen Aufgabe – einer speziellen Eingreiftruppe auf der Lohnliste des jeweiligen Konzerns, die von Aufklärung, Spionage bis hin zu Angriffen und konsequenter Säuberungen alles erledigt, was erledigt werden muss.
Auch Elyzea Quinn ist eine Justifierin, doch ihre besonderen Talente unterscheiden sie von den meisten anderen ihrer Kollegen, die als Technik- oder Kampfspezialisten mehr oder minder austauschbar sind: Elyzea ist psionisch begabt und kann Sprengstoffe durch die Kraft ihrer Gedanken zünden, ohne dass feindliche Sicherheitsanlagen die Gelegenheit hätten, Zündmechanismen oder ähnliches aufzuspüren.

Als ihr Team auf dem Planeten Pherostine eine Bergbauanlage sprengen soll und sich Eliza weigert, unschuldige Zivilisten mit in den Tod zu reißen, offenbart sich ihr eigentliches Problem: Bei ihrer Anwerbung als Justifier wurde ihr eine Bombe in den Schädel implantiert, die durch ihren Auftraggeber ferngezündet werden kann, womit sie auch dieses Mal gezwungen wird, dem unmenschlichen Befehl Folge zu leisten.

Wenig später sind die Folgen des Bombenanschlags auch im politischen Gefüge der Konzerne angekommen, da sich unter den Zivilisten viele hochrangige Gewerkschaftsmitglieder Pherostines haben. Die Stimmung auf Pherostine beginnt zu kochen, und Elyzea erfährt ihr neuestes Ziel: Sie soll vollenden, was sie durch die Sprengung begonnen hat und den einzigen Überlebenden, den jungen und aufstrebenden Gewerkschaftsfunktionär Richard Cross, erledigen. Um in Cross' Nähe zu gelangen, muss sich Elyzea undercover auf den Planeten zurückbegeben, nur durch den erfahrenen Justifier Jabbert unterstützt, der jedoch auch eigene Ziele zu verfolgen scheint. Bald stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es zu Beginn ausgesehen hat, und Elyzea muss sich alsbald entscheiden, ob sie die Vollendung ihres Auftrags als oberste Priorität ansieht oder ob doch die vage Aussicht auf Freiheit viel verlockender ist …



In diesem Science-Fiction-Roman wird eine Zukunftswelt beschrieben, in der nicht mehr einzelne Regierungen zum bestimmenden Element des täglichen Geschehens gehören, sondern der allgegenwärtige Krieg einzelner Megakonzerne, die sich um Ressourcen, Planeten und Raumstationen streiten – alles in allem kein allzu unwahrscheinliches Szenario, in welchem Menschen und Mischwesen, die sogenannten Betas mit tierischen Grundmerkmalen in Aussehen und Verhalten, sich zurechtzufinden versuchen.
Dabei folgt der Leser Elyzeas Aufträgen hautnah, da die Geschichte in ich-Perspektive erzählt wird; einerseits hilft dies, die Gedanken- und Gefühlswelt der Justifierin gerade auch in Spannungssituationen sehr eingehend zu verfolgen, andererseits nimmt es die letztendliche Spannung aus der Erzählung, da eine solchermaßen rückblickende Erzählweise das Überleben der Heldin voraussetzt, welches oft genug während des sehr abwechslungs- und temporeichen Geschehens auf der Kippe steht.

Es fällt schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen – spätestens ab Elyzeas Versuch, Cross aus nächster Nähe zu töten, nimmt die Erzählung dermaßen an Fahrt auf, dass die Details in einem auf den Leser einprasselnden Ereignishagel verschwimmen. Die wenigen Momente, in denen die Heldin überhaupt kurz innehalten und verschnaufen kann, wirken wie eine kleine Erlösung, weil wieder etwas mehr Zeit zur Introspektive und Betrachtung der vergangenen Ereignisse bleibt. Dabei wird Elyzeas sich wandelnde Einstellung glaubhaft vermittelt, ebenso ihre Betrachtungsweise ihrer Kollegen und ihres Vorgesetzten; ihr persönlicher Charme entsteht durch ihre eigenwilligen Kommentare und die sehr gegenwartsbezogene Art, sich mit Problemen auseinander zu setzen, wenn sie entstehen.
Der einzige etwas unglaubwürdige Handlungsstrang entwickelt sich in ihrem Bezug zu Richard Cross und dessen Vergangenheit, der inmitten einer Geschichte voller überraschender Wendungen mehr als vorhersehbar erscheint und zumindest für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen war. Dies wirkt leider wie ein Konflikt, der geschaffen wird, um an einer bestimmten Stelle ein Zerwürfnis hervorzurufen, ein Effekt um des Effekts willens, auf den man hätte verzichten können, ohne dass an der Hauptgeschichte wirklich etwas fehlen würde.

„Undercover“ enthält auch eine Kurzgeschichte von Markus Heitz, deren erster Teil im ersten Justifiers-Roman erschienen ist – deswegen fällt es auch nicht ganz so leicht, sich in diese Erzählung einzulesen, wenn man den ersten Teil nicht kennt. Die vorgestellten Protagonisten erscheinen interessant, die Ereignisse bleiben jedoch ohne ein wirkliches Ende, da der nächste Teil der Geschichte im dritten Justifiers-Band zu finden ist. 
Was der Verlag mit dieser Zusammenmischung zweier sehr unterschiedlicher Geschichten bezweckt, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar – vertraut man dem schreiberischen Können von Lena Falkenhagen nicht genug, dass man dem Leser durch einen Teil einer Heitz-Kurzgeschichte mehr Kaufargumente verschaffen will? Oder aber reicht die komplette Kurzgeschichte nicht aus, zu einem eigenen Roman zu werden? So wirkt dieser Story-Schnipsel eher deplaziert und wenig ansprechend, vor allem, da man sich die anderen Bücher auch beschaffen müsste, um Anfang und Ende zu lesen.

Fazit:
Sehr temporeicher und spannender Roman, der den Leser mit Leichtigkeit in eine interessante Zukunftswelt entführt – wer eine sympathische Heldin und eine durchdachte SciFi-Story mag, kann hier zugreifen. Acht von zehn möglichen Sternen.

Buchdetails:

Reihe: Justifiers, Band 2
Titel: Undercover
Autorin: Lena Falkenhagen
zusätzlich:
Markus Heitz, „Suboptimal II“ (35 Seiten)
Titelbild: Oliver Scholl
Buch/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag 52717 (04/2011); 472 Seiten; 8,99 €; ISBN: 978-3-453-52717-1 (TB)

Über Nerd- Gedanken

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