Buch

Rezension: Langsamer Verfall

Das Torchwood-Team wird zu einem Nachtclub gerufen – fünf Teenager sind hier bei einem brutalen Kampf ums Leben gekommen. Doch der Grund für einen derart aus dem Rahmen gelaufenen Konflikt liegt im unklaren – könnte das außerirdische Artefakt, das vom Team vor Ort gefunden wurde, damit zu tun haben? Toshiko macht sich auf die Suche nach dem Ursprung des Artefakts und muss feststellen, dass in den Torchwood-Archiven gefundene Gegenstände lagern, die von ähnlicher Bauart zu sein scheinen – vielleicht gibt es hier eine Verbindung, die ihr das Lösen des Rätsels erleichtern könnte. 

Am Morgen nach dem Nachtclub-Zwischenfall wird die Leiche eines Weevils gefunden, eines Ausserirdischen, der wie andere seiner Art in Cardiff ein unauffälliges Leben fristete. Das Erschreckende daran sind jedoch die Biß-Spuren menschlicher Zähne an Hals und Gesicht des Weevils, worauf sich das Team vorerst keinen Reim machen kann, sind doch eher die Weevils für Menschen ein ernstzunehmender Gegner als anders herum.

Während diese beiden Fälle das Torchwood-Team in Atem halten, muss sich die Ex-Polizistin Gwen Cooper mit ganz anderen Schwierigkeiten herumschlagen. Lange, unvorhergesehene Arbeitszeiten und dauernde Einsatzbereitschaft belasten die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten Rhys, und sie stellt für sich fest, dass das Prickeln und die leidenschaftliche Erotik der ersten Zeit inzwischen einem gemächlicheren Alltag Platz gemacht haben. Dann gibt es da noch die ausgesprochen attraktive Lucy, Rhys' Arbeitskollegin, die immer wieder mit hinein funkt.

So versucht Gwen unerlaubterweise, ihre Beziehung mit dem im Nachtclub gefundenen Artefakt wieder spannender zu gestalten, denn Toshiko hat inzwischen herausgefunden, dass es Emotionen verstärken kann. Auch Rhys ist der desolate Zustand der Beziehung inzwischen aufgefallen, er geht hingegen einen anderen Weg als Gwen und beschließt, mit einer Wunderpille aus einer dubiosen Abnehmklinig überflüssige Pfunde loszuwerden, die ihm Lucy empfohlen hat. Dass er sich dabei auf etwas höchst gefährliches eingelassen hat, findet er fast zu spät heraus …

Die Einleitung mit einem kleinen Einblick in die Gedankenwelt der Teammitglieder zeigt dem Leser auch, wo er das Buch zeitlich in die Geschehnisse rund um die Torchwood-TV-Serie einordnen kann – der Umgang von Gwen mit Owen bezieht sich auf die Zeit nach dem Ende der Affäre der beiden, kann also in etwa nach 'Die Gestrandeten' (Staffel 1) spielen, als diese durch Owens Liebe zur Pilotin Diane Holmes beendet wird. Generell werden alle Charaktere sehr nahe an ihrer TV-Vorlage geführt, wenngleich Jack Harkness einige Male sehr albern und übertrieben witzig dargestellt wird, gerade seine gewollt wirkenden Scherze über die Seltsamkeiten menschlichen Lebens erscheinen angesichts seiner Seriendarstellung als eher unpassend.

Die Beziehung zwischen Gwen und ihrem Lebenspartner Rhys erhält recht viel Aufmerksamkeit und zeigt aus den Blickwinkeln der beiden, wie sich eine einst leidenschaftliche Liebe durch Alltag, Stress und wenig gemeinsame Zeit verändern kann, obwohl beide das nicht wollen. Damit erhält dieser Handlungsstrang, der in der Serie eher nur am Rande geführt wird, etwas mehr Nahrung und glaubhaftere Hintergründe, die Gwens Affäre mit Owen nachvollziehbar machen.

Auch Owens Suche nach einem vertrauten Menschen führt ihn wieder einmal in die Irre – nach Dianes Verschwinden im Riss neigt er verstärkt zu selbstzerstörerischem Verhalten, auch bei 'Langsamer Verfall' wird diese Entwicklung konsequent weitergeführt und ihm durch eine neuerliche Verliebtheit übel mitgespielt (was sein späteres Verhalten im Staffelfinale glaubhafter macht). Auch Toshiko erhält ausreichend Aufmerksamkeit des Autors, ihre innere Unsicherheit und das stetige Gefühl, im Team eine Außenseiterin zu sein, wird nachvollziehbar beschrieben, die Suche nach dem Sinn und Zweck des Artefakts bietet ein gutes Gegengewicht zu all den anderen emotionalen Verstrickungen.

Jack Harkness und Ianto sind die einzigen Charaktere, deren Perspektive dem Leser verborgen bleibt – in Jacks Fall wohl, um die Rätselhaftigkeit des Anführers nicht zu gefährden, Ianto spielt im vorliegenden Buch leider nur eine absolute Nebenrolle und taucht nur selten überhaupt in der Handlung auf. 
Einerseits ist dies schade, da er in der Serie durchaus eine erfreulich normale Person zu sein scheint, die mit all den außerirdischen Dingen oftmals eher überfordert ist, andererseits wäre die Hauptgeschichte wohl mit einer weiteren Perspektive schlichtweg überfrachtet gewesen. Als Fan der Serie und des 'Dr.Who' Universums kommt man jedenfalls gut auf seine Kosten, die Handlung bleibt abwechslungsreich, allein der 'Diätpillen'-Storykomplex ist etwas sehr vorhersehbar und verliert dadurch an Spannung.

Fazit: Für Torchwood-Fans brauchbare und seriengerechte Unterhaltung, für alle anderen aufgrund des nötigen Vorwissens eher eine bitter Pille. Sechs von zehn möglichen Sternen.

Buchdetails: 
Reihe: Torchwood, Band 3
Titel: Langsamer Verfall
Originaltitel: Torchwood: Slow Decay
Autor: Andy Lane
Übersetzer: Susanne Döpke
Buch/Verlagsdaten: Cross Cult, April 2012, 317 Seiten broschierte Ausgabe, ISBN-13: 978-3941248601

Über Nerd- Gedanken

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