Buch

Rezension: Titanensturm




Im kriegsgeschüttelten Universum von Warhammer 40.000 vereint der Glaube an den Gott-Imperator die beiden so unterschiedlichen Menschenrassen - die Imperialen, welche unmodifizierte Menschen sind, die sich dem Dienst am Imperator und seinen Zielen verschrieben haben, und die Mechanicus, durch mechanische und bionische Implantate zu halben Maschinenwesen gewordene Menschen, die ihren Gott Omnissias in der Gestalt des Gott-Imperators verehren. 
Der Planet Orestes ist zum Kriegsschauplatz geworden - eigentlich eine Fabrikwelt der Mechanicus, auf der neue Kriegsmaschinen und ähnliches hergestellt wird und dementsprechend eher für Nachschub und Reparatur bekannt, rückt der Planet nun in den Angriffsfokus des unerbittlichsten Feindes des Mechanicus. 

Vom Chaos verderbte Dark Mechanicus sind auf Orestes gelandet und haben ihr blutiges Werk begonnen, den Planeten systematisch zu zerstören. In dieser Stunde der Not entscheidet sich die Legio Invicta, ein Mecha-Kampfverbund der Mechanicus, der bedrängten imperialen Verwaltung von Orestes beizustehen und die Eindringlinge zurückzuschlagen, ohne zu ahnen, dass eine weitaus größere Bedrohung auf dem Planeten lauert, die mit dem Krieg kaum zu vergleichen ist und einen inneren Konflikt der Mechanicus schürt, der den in Kriegszeiten so dringend nötigen Zusammenhalt bröckeln lässt... 

Geschickt führt Dan Abnett den Leser an mehreren Fronten in das Geschehen um Orestes und vermittelt hier die unterschiedlichen Standpunkte der möglichen Konfliktparteien anhand sehr lebendig wirkender Protagonisten. 
So verfolgt der Leser das Geschehen bei Adeptus Feist, einem mehrfach modifizierten Mechanicus aus der Datenanalyseabteilung des Ordo Mechanicus auf Orestes, begleitet Henrietta Severin, eine hochrangige Imperiumsbeamtin beim Versuch, für den imperialen Gouverneur von Orestes glaubhafte Informationen über den Kriegsverlauf bei der Legio Invicta zu erhalten, taucht mit Cally Sonntag, einer jungen Soldatin der dritten Truppenreserve von Orestes und Hauptmann Varcas, einem Panzerkommandanten, dessen Einheit im Gefecht fast aufgerieben wurde, tief in das Kampfgeschehen ein und verfolgt mit Moderati Tarses, einem Mitglied der Bordbesatzung des Kampftitanen Dominatus Victrix das Schicksal eines im Kampf gefallenen und neu bemannten Mechas. 

Zusammen mit einigen Nebenschauplätzen bildet der gewandte Sprung von Szene zu Szene einen Reigen spannend geschriebener Momentaufnamen, der den Leser selten wirklich zu Atem kommen lässt - kaum glaubt man einen Kamof gewonnen oder eine Schlacht verloren, zieht der rasante Erzählstil Abnetts den Leser schon in an einem anderen Ort in das nächste Problem. 
Was allzu leicht in ein Trommelfeuer an technischen Details der jeweiligen Kampfeinheiten ausarten könnte, wird dank der packenden und emotionalen Schilderung der an Kämpfen und Intrigen beteiligten Menschen zu einer sehr spannenden Geschichte, die auch für jemanden, der mit Mechas oder Mecha-Kämpfen eigentlich wenig anfangen kann, zu einer Lektüre werden kann, die man ungern aus der Hand legt. Neben den Kämpfen vermittelt der Roman aber auch sehr viel Hintergrundwissen über die Mechanicus und deren so andersartige Lebensweise, die von unmodifizierten Menschen oft als die Bildung einer eigenen Rasse begriffen wird. 

Gerade die Unterschiede zwischen den Imperialen und den Mechanicus bilden den Grundkonflikt dieses Romans, der an vielen Stellen immer wieder zutage tritt, manchmal handlungsentscheidend, manchmal nur im Hintergrund. Auch die verschiedenartige Glaubensinterpretation im Ordo Mechanicus selbst bietet hier Zündstoff, der nachvollziehbar in den Konflikten zwischen den beiden Ausrichtungen mitschwingt. 
Der bereits durch viele sehr gelungene Romane im Battletech-Universum bekannte Dan Abnett macht seinem Ruf mit 'Titanensturm' Ehre - nur wenige Autoren schaffen es, technische Details und mechanische Abläufe mit einer ganz eigenen Poesie zu beschreiben, sodass die kalte Technik vor der inneren Vorstellung des Lesers lebendig wird. 

Der Kunstgriff, die Kämpfe an die emotionale Entwicklung der Protagonisten zu koppeln, anstelle sich durch technische Details oder dem rundenbasierten Kampfsystem des Tabletop-Spiels Warhammer 40.000 verleiten zu lassen, pure Wertrechnungen aufzustellen, gestaltet das Leseerlebnis sehr abwechslungsreich und auch für einen Menschen der Gegenwart greifbar. Allenfalls bei einigen Begriffen des Mechanicus, die zu Beginn sehr häufig erwähnt, aber erst im Fortschreiten des Romans erklärt werden, wäre ein Stichpunktverzeichnis mit Erklärung im Anhang hilfreich gewesen, um Verwirrung zu vermeiden. 
Wer mit ganzem Herzen SciFi-Enthusiast ist und bisher noch keinen Warhammer-40.000-Roman in der Hand hielt, wird von 'Titanensturm' nicht enttäuscht werden, wer das Genre kennt und auf packendes Kampfgeschehen sowie interessante Charaktere Wert legt, sollte auf jeden Fall zu diesem Buch greifen. 

Fazit: Neun von zehn möglichen Punkten, und für Warhammer-40.000- oder Mecha-Fans eine unbedingte Kaufempfehlung.

Buchdetails:
Reihe: Warhammer 40.000
Titel: Titanensturm
Originaltitel: Titanicus
Autor: Dan Abnett
Übersetzer: Christian Jentzsch
Buch/Verlagsdaten: Heyne Verlag, September 2010, 592 Seiten, broschierte Ausgabe, ISBN-13: 978-3453526969

Über Nerd- Gedanken

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