Film

Rezension: Jupiter Ascending

Als Jupiter Jones auf die Welt kommt, hat sie bereits den Verlust ihres Vaters, eines amerikanischen Astronomieprofessors, hinnehmen müssen, der bei einem verunglückten Raubüberfall getötet wurde. Von ihrer russischen Mutter Aleksa in die USA gebracht, wächst Jupiter in sehr einfachen Verhältnissen auf und arbeitet als junge Frau schließlich genau wie ihre Mutter und deren Verwandten in einem Reinigungsservice, der sich auf die Häuser reicher Menschen spezialisiert hat.  Total unzufrieden mit ihrem Leben, versucht Jupiter auf jede erdenkliche Weise, aus diesem auszubrechen. 

Weil sie sich nach einem eigenen Fernglas sehnt, mit dem sie die Sterne beobachten kann, lässt sie sich von ihrem Cousin Vladi überreden, unter dem Namen ihrer Freundin Katharine Dunlevy Eizellen an ein zwielichtiges Labor zu verkaufen. Katharine wird in Jupiters Beisein von seltsamen Aliens überfallen und untersucht, doch als Jupiter versucht, die Szene mit ihrem Handy zu fotografieren, kann sie sich später nicht mehr daran erinnern.

Beim Eizellen-Entnahmeeingriff stellt sich heraus, dass das OP-Team auch aus Aliens besteht, die Jupiter töten wollen – nur das beherzte Eingreifen des halbcaninen Soldaten Caine Wise bewahrt Jupiter vor dem sicheren Tod. Auch ein anderes Team ist darauf aus, Jupiter in ihre Hände zu bekommen, was Caines ganzes Können erfordert, um diese loszuwerden. Beim Fluchtversuch von der Erde werden die beiden von weiteren Aliens im Dienste des mächtigsten Humanoiden in der Galaxis gestellt – Balem Abrasax, in dessen Besitz sich die Erde derzeitig noch befindet und welche er für die Produktion eines jugenderhaltenden Serums ‚abernten‘ möchte, was alle Menschen auf der Erde töten würde. Was Jupiter noch nicht ahnt: Sie ist die genetische Inkarnation der getöteten Matrone des Hauses Abrasax und kann die Erde als Erbe für sich beanspruchen …

Das wichtigste Handelsgut der Galaxis sind weder Edelsteine noch Rohstoffe, sondern mehr Zeit: Die drei Kinder der getöteten Matrone von Haus Abrasax, Balem, Kalique und Titus sind durch die Produktion und den Verkauf des jugenderhaltenden Serums, welches als wertvollster Stoff der Galaxis gilt, reich und mächtig geworden. Wer einige Millennien erlebt hat, für den hat nur noch weitere Lebenszeit wirkliche Bedeutung – mit diesem Gedanken spielt die Hintergrundwelt von ‚Jupiter Ascending‘, in der die Erde nur einer von vielen Zuchtplaneten ist, bei denen spätestens dann geerntet wird, wenn die Bevölkerungsmenge eine bestimmte Anzahl überschritten hat. 
Eigentlich ein sehr interessanter, dystopischer Gedanke, der viel Raum für philosophische Überlegungen lassen würde, mit der man einen Hauptcharakter in echte Gewissensnot bringen könnte – wäre Jupiters geliebte Mutter beispielsweise schwer krank und könnte nur durch das Serum überleben, wäre ein reizvoller innerer Konflikt geschaffen.

Der Bösewicht: Balem Abrasex (Eddie Redmayne) will Jupiters Tod
Stattdessen beschränkt sich »Jupiter Ascending« einzig und allein auf den höchst vorhersehbaren Plot des Mädchens aus Dreck und einfachen Verhältnissen, das überaus reich erbt und damit erstmal zurecht kommen muss, während eine Menge anderer Leute ihr ans Leder wollen, weil sie gerne die Hand auf Jupiters wertvollsten Besitz, die Erde, legen würden. Der eine versucht es mit brutaler Gewalt, der andere mit einer heftigen Charmeoffensive, die Dritte hält sich relativ zurück – und aus jeder Notsituation muss der strahlende Held Caine Wise die unwissende, unsichere und die meiste Zeit hin und her schwankende Jupiter retten.
Es ist ein Wunder, dass es ihr gelingt, sich selbst Kleidung anzuziehen, denn über den Großteil des Filmes scheint sie absolut keinen Plan für sich und ihre Umgebung zu haben. Mal abgesehen davon, dass sie Caine gerne an die Wäsche gehen möchte, weil der sie zuverlässig und andauernd auf seinen schicken Gleiterstiefeln auch noch aus der dicksten Tinte rettet. Eine aufgesetztere Lovestory habe ich selbst in Vorabend-Soaps noch nicht gesehen.

Muss dauernd gerettet werden: die Royale Jupiter Jones (Mila Kunis)
Passiert die übliche »Held rettet Heldin«-Sache ein Mal, um Spannung in einen Film zu bringen, sage ich ja nichts dagegen,. Ein Held, dessen offensichtliche Stärken bei physischer Kraft und Loyalität verortet sind, muss sich der Heldin schließlich beweisen. Passiert es aber immer und immer wieder, entsteht irgendwann schon der Wunsch, die Stirn auf die Tischkante zu knallen und dem Drehbuchautor für fortgesetzte Ideenlosigkeit in den Hintern zu treten. Oder besser, den Drehbuchautorinnen, denn federführend waren bei diesem ausgelutschten Machwerk Lana und Andy Wachowski. 

Sollte die Rolle der Jupiter für Mila Kunis vor allem darauf hin ausgelegt worden sein, dass sie möglichst hilflos und großäugig in die Umgebung starrt, während sie auf den nächsten Rettungseinsatz von Channing Tatum/Caine Wise wartet, hat sie das Ganze prima hinbekommen. Die selbständige, selbstbewusste Person kann ich ihr jedenfalls bis zum letzten Viertel des Filmes nicht abnehmen. Zur Ehrenrettung Jupiters darf sie – vorhersehbarerweise - natürlich auch noch den Bösewicht umbringen, um kurz darauf (mal wieder) von Caine in letzter Sekunde aus der Bredouille gerettet zu werden. 

Nur eines der atemberaubenden Settings von "Jupiter Ascending"
Dagegen wirkt die Aegis-Captain Diomika Tsing, eine Vertreterin der intergalaktischen Polizei, die Jupiter und Caine bei deren Kreuzzug gegen Balem Abrasax hilft, viel glaubhafter und tougher, sodass es wirklich schade ist, dass sie nur die kurze Screentime eines Nebencharakters erhält.

Auch der von Sean Bean verkörperte Stinger Apini, Caines ehemaliger Vorgesetzter, der Jupiter und Caine bei der Flucht von der Erde verhilft, wirkt mit seinen Ecken und Kanten wie jemand, den man gerne ein bisschen näher kennen lernen möchte, dessen Storyanteil jedoch so vernachlässigt wird, dass nicht einmal das Motiv für sein späteres, konfliktbeladenes Handeln wirklich klar gezeigt wird. Immerhin stirbt der Charakter mal nicht - vermutlich eine ganz neue Erfahrung für Bean, dessen letzte größere Rollen doch zumeist blutig endeten (Herr der Ringe, Game of Thrones, Equilibrium).
Doch auch die drei designierten Bösewichte bleiben reichlich blass und nahezu austauschbar. 

Spannende Aussichten: Kalique Abrasax (Tuppence Middleton) badet im Jugendlichkeits-Serum
Besonders lächerlich erscheint mir Balem Abrasax, bei dem sich Eddie Redmayne zwar sehr bemüht, ihn irgendwie erschreckend und fies zu gestalten, aber immer wieder an der blutleeren, actionarmen Rolle scheitert. Douglas Booth darf seinem Titus Abrasax zumindest ein bisschen Playboycharme einhauchen, wenngleich auch dieser reichlich aufgesetzt wirkt. Generell gesehen scheint den Abrasax-Geschwistern ihr jahrtausende langes Leben nicht besonders gut bekommen zu sein, da sie trotz unglaublicher Macht und Möglichkeiten Zuflucht zu Schulhofintrigen suchen.

Wären nicht die schick choreographierten, gut inszenierten Actionszenen und die überwältigende, üppige Optik des Filmes, müsste ich »Jupiter Ascending« unter 127 Minuten verschwendeter Lebenszeit abhaken. Ich bin nur froh, dass ich diesen Film nie im Kino oder gar als 3D-Film gesehen habe, denn dafür wäre mir das Geld wirklich zu schade gewesen. Auf einem kleinen Screen sind die Details in den Actionszenen zwar nicht so gut zu erkennen, aber spannend bleiben sie glücklicherweise doch.

Der Held: Halbcanide Caine Wise (Channing Tatum) rettet Jupiter und die Erde
So viele tolle Möglichkeiten, offensichtlich Budget für richtig bombastische Szenen, an denen man sich kaum sattsehen kann, und dann versauen die beiden Wachowskis das Ganze mit einem dermaßen lauen Drehbuch, dass man ihnen von weiterer schriftstellerischer Tätigkeit wirklich nur abraten kann. Dagegen war selbst Matrix 3 ein totaler Knaller - und sorry, den hätten sie sich damals auch sparen können!
Vielleicht hätten sie den Film von Anfang an in »Jupiter Descending« umbenennen sollen, dann hätte man als SciFi-Fan zumindest eine gewisse Ahnung gehabt, was einen da an Machwerk erwartet. Das Ende hat mich fast noch mehr aufgeregt als die Story an sich, da es das ‚einfaches Mädchen will einfaches Leben‘ Motiv auf die Spitze treibt. Von so einer lahmen Konstruktion will ich nun wirklich keine Fortsetzung sehen.

Fazit: Storytechnisch ein totaler Flop – dieser Film wird nur durch die Visuals und die genialen Effekte gerettet. Drei von zehn möglichen Punkten.

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Filmdetails:
Titel: Jupiter Ascending
Originaltitel: Jupiter Ascending
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: 127 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Lana und Lilly Wachowski
Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Douglas Booth, Sean Bean, Tuppence Middleton, Gugu Mbatha-Raw, David Ajala, Charlotte Beaumont
Deutsche Synthonsprecher: Anja Stadlober, Daniel Fehlow, Torsten Machaelis, Tobias Nath, Patrick Roche, Marieke Oettinger

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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2 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Deine Rezension war in jedem Fall unterhaltsamer als der Film. Wir waren auch froh, dass wir nur zur - zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr ganz so teuren - DVD gegriffen haben. ;)

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    1. Danke ... :D ich musste meine Grundgenervtheit nach dem Konsum dieses Films einfach mal loswerden, das geht am besten schriftlich ^^

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