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Rezension: Star Trek Kostüme: Fünfzig Jahre Mode aus unendlichen Weiten

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer vieler Raumschiffe mit dem Namen Enterprise, deren tapfere Besatzungen unentdeckte Zivilisationen entdeckten, Kriege schlichteten oder führten und den Entdeckergeist nach außen trugen – angefangen mit der klassischen Star-Trek-Serie in den sechziger Jahren über ‚The next Generation‘ gegen Ende der Achtziger bis hin zur neuesten Serie »Star Trek: Enterprise« nach der Jahrtausendwende. Insgesamt dreizehn Kinofilme wurden gedreht, von denen der letzte, »Star Trek Beyond«, 2016 ins Kino kam und immerhin gut 350 Millionen Dollar einspielte. 

Seit gut fünfzig Jahren ist »Star Trek« Teil unserer Alltagskultur, wir kennen alle den Vulkaniergruß, wissen, dass ein Phaser auch auf Betäubung gestellt werden kann und spätestens, wenn die »Redshirts« trotz schlecht treffenden Stormtroopern dennoch erschossen werden, grinsen die meisten Leute, die sich ein bisschen mit den beiden größten SciFi-Welten auskennen.
Doch was wäre dieses ganze Serienuniversum ohne die Kostüme, welche bereits in den sechziger Jahren durch die genialen Designs des Kostümdesigners William Ware Theiss für reichlich Furore sorgten? Hätte »Raumschiff Enterprise« überhaupt so viele Blicke angezogen, wäre die Serie nicht immer wieder für so einige Hingucker gut gewesen? 

Fünfzig Jahre Star Trek – anlässlich dieses Jubiläums wurde von Paula M. Block und Terry J. Erdmann ein ganzer Kostümkosmos eingefangen, der sowohl die Serien als auch die Filme zu einem einzigartigen Erlebnis gestaltet und durch den ikonischen Stil Maßstäbe auch für später folgende Serien in anderen SciFi-Welten gesetzt hat. Viele Originalskizzen und -entwürfe werden durch ganzseitige Bilder ergänzt, auf denen die fertige Kostüme in all ihrer Pracht zu sehen sind, ergänzt durch Gedanken, Erinnerungen und Bemerkungen der beteiligten Kostümdesigner und ihrer Mitarbeiter.

Die vorliegende, gebundene Ausgabe ist in sechs Hauptteile unterteilt und widmet sich chronologisch der Entstehungsgeschichte des Star-Trek-Looks von der Klassik-Serie an über die ersten sechs Filme mit der Beteiligung der Original-Serien-Crew, danach der Serie »Das nächste Jahrhungert« und die damit verbundenen vier Spielfilmen über die drei Spin-Off-Serien »Deep Space Nine«, »Voyager« und »Enterprise« bis hin zu den neuesten zwei Filmen, welche mit ganz neuen Schauspielern gedreht wurden und thematisch wieder zur Originalserie zurückkehren. Der einzige nicht berücksichtigte Film ist »Star Trek Beyond«, welcher nur zwei Monate vor dem Erscheinen des Bandes in die Kinos kam und sicherlich schon wegen der zeitlichen Überschneidung nicht mit einfließen konnte.


Besonders spannend gelungen sind nicht nur die Einblicke in die Produktion einer Fernsehserie, sondern auch die Richtlinien, an denen sich Designer wie Theiss entlang hangeln mussten und es dennoch geschafft haben, etwas so Einzigartiges zu schaffen, dass diese damals in aller Munde waren. Dazu trugen auch die geschickt gesetzten Akzente mit nackter Haut und der Spielerei mit dem Gedanken, was das Kostüm gerade bei einer attraktiven Schauspielerin enthüllen könnte, wenn es verrutscht, maßgeblich mit bei.

Schauspieler Michael Forests Erinnerung an seinen kurzen Auftritt in der Folge »Der Tempel des Apolllo« hat vor allem mit seinem sehr kurzen Rock aus Goldstoff und seinen überklebten Brustwarzen zu tun – damals durften auch Männer keine Brustwarzen im amerikanischen Fernsehen zeigen. So manches Kostüm in der klassischen Serie bestand aus sehr einfachen Materialien wie in dünne Streifen geschnittene Plastikfolie für ein Tänzerinnenoutfit, in dem Tanya Lemani in »Der Wolf im Schafspelz« in ihrer Rolle als Kara verzauberte und mehrfach angepasst werden musste, um die Vorgaben der Zensurbehörde zu erfüllen.

Spätestens mit den ersten Kinofilmen werden auch die Kostüme aufwendiger, mehr Designer wurden beteiligt und sorgten für einen Look, der auch noch in den neueren Serien nie langweilig wurde. Gerade wohlbekannte Rassen wie die Vulkanier und Klingonen erhielten einen Schliff, der sich in dieser Form auch noch viele Jahre später wiederfinden lässt – die eigens für Star Trek III in die Rüstungen der Klingonen eingebauten Rückgratpanzerungen finden sich bis heute noch im Design von Klingonenrüstungen wieder. Theiss‘ kreative Hand ist auch bei den Entwürfen für »Das nächste Jahrhundert« spürbar, wo er maßgeblichen Einfluss auf die Uniformen und die generelle Modedesignlinie nahm: »Schlichter ist effektiver.«
Dass diese Maxime auch dazu führte, die Schauspieler zwei Staffeln lang in Einteiler-Uniformen zu zwängen, welche dauernd verrutschten und gerade von Patrick Stewart (Captain Jean-Luc Picard) regelmäßig zurechtgezupft werden mussten, gehört zu den kleinen Schmankerln an Information, welche diesen Band passend abrunden und Fanherzen höher schlagen lassen. Den Zuschauern fiel dieses dauernde Herumzuppeln auch auf, sodass es schließlich den Namen "Picard-Manöver" erhielt.


Einziger Kritikpunkt an diesem wirklich prachtvollen, zum Blättern und schmökern einladenden Band sind die sehr karg ausfallenden Kapitel über die drei doch recht lange laufenden Spin-Off-Serien »Deep Space Nine«, »Voyager« und »Enterprise«, die ebenfalls mit einer Menge interessanter Kostüme und Designs aufwarten können (man denke an Seven of Nines Borg-Aufmachung, Völker wie die Suliban oder Ferengi, die einen ganz eigenen Stil mitbringen) und hier so gut wie gar nicht berücksichtigt werden. 

Hier wären mehr Einblicke im Stil der Hauptserien wirklich schön gewesen, aber vermutlich hätte das den Rahmen ziemlich gesprengt. Auch ohne einen ausführlicheren Teil über diese drei Serien hat man als Fan mit »Star Trek Kostüme« ein sehr interessantes, vielschichtiges Buch in den Händen, an dem man aufgrund der vielen Detailinformationen lange Freude haben kann.

Fazit: Ein vielseitiges, interessantes Schmuckstück in jedem Bücherregal von Star-Trek-Fans. Neun von zehn möglichen Punkten.

Buchdetails:
Titel: Star Trek Kostüme: Fünfzig Jahre Mode aus unendlichen Weiten
Autor: Paula M. Block, Terry J. Erdmann
Übersetzer: Diana Bürgel
Buch-/Verlagsdaten: Zauberfeder Verlag, gebundene Ausgabe, 17. Oktober 2016, 256 Seiten, ISBN-13: 978-3938922712, 49,90€

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Dieses Rezensionsexemplar wurde vom Zauberfeder Verlag zur Verfügung gestellt - vielen lieben Dank dafür!

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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1 Eure Meinung zu den Nerd-Gedanken:

  1. Hallo Nerd,
    eine sehr schöne Rezension. Auch mich hat tief beeindruckt, dass Männer keine Brustwarzen zeigen durften. Generell fand ich es sehr interessant, wie die politische "Umgebung" das Design beeinflußte.
    Ich hab deine Rezension hierverlinkt.
    Gruß,
    Daniela

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