Aloncor Torn

The Good, the Bad and The Jedi: Auf der Suche


Ein blinkendes, rotes Licht benachrichtigte zwei Meisterinnen auf dem Stützpunkt Ska Gora davon, dass eine neue Nachricht eingetroffen war. Geduldiges, in einem stillen Rhytmus blinkendes Licht, das wenig Aufmerksamkeit heischte, als hätte sich die technische Ausrüstung längst daran gewöhnt, dass man sie erst in Momenten beachtet, an denen es nichts anderes zu tun gibt. Und zu tun gibt es immer vieles auf dem entlegenen kleinen Stützpunkt mit den vielen so unterschiedlichen Personen, Wünschen und Zielen.

Meisterin Derak, Meisterin Eryada,
wie Ihr sicherlich wisst, ist Padawan Aquae im Zuge einer Mission unter der Führung von Ritter Erauqs verschollen und auch eine Rettungsmission hat nicht geholfen, über ihren Aufenthaltsort Rückschlüsse zu gewinnen. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, auf welche Weise meine Anwesenheit auf Ska Gora für andere hilfreich und sinnvoll sein mag und bin zu dem Schluss gekommen, dass meine eigentlichen Aufgaben nicht auf dem Stützpunkt zu finden sind.
 
Ich war Zeit meines Lebens viel unterwegs und habe zunächst an der Seite meines Meisters, dann als Ritter die Galaxis bereist. Von allen Personen auf Ska Gora bin ich vermutlich derjenige, der den Abdruck in der Macht, den Padawan Aquae ausprägt, am Besten kennt. Daher habe ich beschlossen, auf die Suche nach ihr zu gehen. Ein einzelner Mann kann zwischen Sternen hindurchschlüpfen und sich einen langweiligen, durchschnittlichen und bodenständigen Anstrich geben, wie es immer wieder für meine bisherige Arbeit notwendig war.

An dieser Stelle möchte ich mich für die gemeinsame Zeit bedanken, ebenfalls für Euer beider Fürsorge und Aufmerksamkeit, die es mir ermöglicht hat, in vielem wieder klarer zu sehen. Sollte ich nicht zurückkehren, hoffe ich, dass dem Projekt Ska Gora der Erfolg beschieden sein wird, der ihm gebührt und für welchen Ihr so hart arbeitet. Es waren interessante und fordernde Wochen und Monate, die mich einiges gelehrt haben.

Wenn ich zurückkehre, dann nicht ohne Padawan Aquae, damit sie endlich ihre Ausbildung fortführen kann. Meisterin Eryada, es ist mir bewusst, dass nicht ich ihr Lehrer sein kann und es viele Gründe gibt, die dagegen sprechen, ihr Leben weiterhin als Mentor zu begleiten. Die Tür dorthin jedoch möchte ich ihr gerne öffnen, sofern ich es denn zu tun vermag.
Möge die Macht mit Euch sein
A. Torn

Während noch ein kleines rotes Licht blinkte, war der Absender längst unterwegs. Es hatte nicht viel zu packen gegeben, denn seine Kleidung würde er ohnehin noch wechseln müssen. Nur seine Alltagsrobe und das Lichtschwert, dazu den Kulturbeutel und Wechselunterwäsche führte der Diplomat mit sich und wartete geduldig ab, bis das Versorgershuttle von Ska Gora Richtung Coruscant die Mitte der bewohnten Galaxis erreicht hatte.
Coruscant war einst eine strahlende Bastion der Jedi gewesen, doch das hatte sich spätestens seit dem Angriff der Sith geändert. Man hatte Räumlichkeiten wieder aufgebaut, aber die Erinnerung an die Schändung des alten Tempels durch die Diener der Dunklen Seite war für all jene, die es miterlebt hatten, ein Einschnitt, den man nicht zurücknehmen konnte.
Eine der Wunden, die nicht heilten.

Noch immer quoll der Planet von Leben über, noch immer stellte sich in der Nähe desselben das vertraute, dumpfe Ziehen in Aloncor Torns Schädel ein, das er nie los wurde, wenn er sich auf dicht bevölkerten Stadtplaneten befand. Es waren einfach so viele Emotionseindrücke, die er ausschließen musste, so vieles, das auf seine Sinne einprasselte. Mit den Jahren war es jedoch leichter geworden, die unwillkommenen Empfindungen anderer auszuschließen, wenn er es musste. Coruscant war jedoch nicht nur anstrengend oder eine bittersüße Erinnerung. Coruscant war vor allem ein Planet, auf dem man gut untertauchen konnte.

Wer die strahlend schönen oberen Ebenen zu verlassen bereit war, fand in den Ebenen darunter viele Gelegenheiten, sich Hilfe und neue Möglichkeiten zu schaffen. So besitzlos Jedi auch lebten, hatten gerade die Diplomaten immer wieder Gelegenheiten gefunden, die ein oder andere Tarnidentität anzulegen und aufzubewahren, für eben jenen Moment, in denen sie gebraucht wurden. Wer ermittelte, erfuhr viel mehr, wenn er wirkte, als sei er Teil der normalen Bevölkerung, anstelle in Robe und Lichtschwertschwenkend Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Als das Shuttle in einem der großen Raumhäfen aufsetzte, hatte Aloncor sein Lichtschwert längst in einem schäbigen Lederrucksack verstaut und die Robe an den Ärmeln umgekrempelt und mit einem Gürtel so hochgezogen, dass er eher wie ein ärmlicher Bauer von irgendeiner Randwelt wirkte denn ein in den Angelegenheiten der Welt erfahrener Jedi.
Entsprechend ließ er sich auch von der ihn umgebenden Menge an unterschiedlichsten Lebewesen treiben, bewunderte angelegentlich die Souvenirs an einem Stand in einem der Nebengänge und bewegte sich schließlich in Richtung der öffentlichen Nahverkehrs-Shuttles, um seinen Weg tiefer hinab in die mittleren Ebenen fortzusetzen. Wieder hatte sich in jenem Viertel, in dem die Box mit seinen neuen Daten lagerte, so vieles verändert, dass ihm die vielen kleinen Läden und Imbissbuden am Rand der Promenade nicht mehr bekannt vorkamen.

Wo es früher einen ithorianischen, vegetarischen Fastfood-Laden gegeben hatte, prangten nun Werbetafeln für ein Burger-Restaurant der schmierigen Sorte. Aber er war nicht zum Essen hergekommen, sondern setzte seinen Weg durch den Wirrwar der verschiedenen Nebenstraßen fort. Wenigstens waren die Gebäude gleichgeblieben, sodass sich der Jedi an den Formen orientieren konnte, bis er schließlich eine ziemlich abgerissene Werkstatt erreichte, in deren etwas schmuddeligen Schaufenstern halbe Droiden und sonstiges technisches Spielzeug prangten.

"Tach," brummte der nicht weniger schmuddelige, voluminöse schmutziggrüne Twi'lek hinter dem Tresen in die Richtung des potentiellen Kunden, der erstmal etwas verschüchtert angesichts des trüben Lichts im Laden wirkte.
"Ehm, ich suche .. Ersatzteile. Für meinen Droiden, ja. Protokolldroide, hat immer 'n bisschen einen Hau weg, wenn er geht. Kniegelenk is' wohl kaputt," radebrechte Aloncor in die Richtung des Twi'lek, der unbegeistert nickte.
Der Eindruck eines Ladenbesitzers, der eigentlich lieber in Ruhe den nächsten Holoporno schauen wollte, war perfekt, aber auch nur ein Teil einer sehr gelungenen Tarnung. Tatsächlich verkaufte dieser Twi mit dem riesigen Schmerbauch technische Teile, aber seit die Jedi seine halbwüchsige Tochter aus einem Kriegsgebiet gerettet hatten, war er einer der vielen, stillen Unterstützer des Ordens, der für jene, die ihn kannten, Dinge aufbewahrte.

"Da hab' ich vielleicht was passendes da, Mister," sagte der Twi'lek schließlich, nachdem sich der potentielle Kunde durch gut gespieltes Ignorieren nicht vertreiben ließ. "Was für 'ne Serie is' die Blechbüchse denn?" Aloncor nannte ihm mit der Seriennummer das eigentliche Codewort, das bestimmte, welche Box mit Tarnidentität er haben wollte, und der Twi schlurfte im Schneckentempo in den hinteren Bereich seines Ladens, wobei es wirkte, als könnte selbst ein Hutte ihn links überholen.
Gefühlt war eine Viertelstunde vergangen, als der schmuddelige Twi'lek wieder auftauchte, eine etwas angestoßene Box unter den Arm geklemmt. Als er diese auf dem Tresen plazierte, öffnete er sie und zeigte seinem Jedi-Kunden ein Droiden-Kniegelenksteil, das nicht mehr ganz taufrisch war, aber durchaus funktional wirkte. Aloncor nahm es aus der Box heraus, bewegte es ein paar Mal und nickte, bevor die beiden Männer eine lange Feilsch-Diskussionen über den Preis begannen.

Als der Jedi endlich aus dem Laden heraus kam, war gut dreiviertel Stunde verstrichen und sein Hals schmerzte von den vielen Worten, die er dabei hatte sprechen müssen. Fast konnte man meinen, seine Stimme wollte noch nicht so recht den Dienst tun, den er ihr wieder abverlangte. Glücklicherweise hatte er alles, was er brauchte. Gut im Inneren des Droiden-Kniegelenks versteckt trug er den Codestick für einen Lagerraum bei sich, in dem ein Kleidungspaket und weitere nützliche Dinge lagerten.
Alles nur, um ein anderer zu werden, der für Behörden und Zakuul-Kräfte so uninteressant wie nur möglich erscheinen musste. Ein mittelmäßig erfolgreicher Frachterpilot, der aus irgendeinem Navigationsfehler heraus im falschen Quadranten landen würde. Pechvögel waren unauffällig, und arme Leute, die nur versuchten, ein paar Credits zu machen, fielen nirgendwo groß auf, da es sie überall gab. Für jemanden, der auf so gut wie alles im Leben verzichtete, war eine solche Rolle nicht schwer zu spielen.

Vor allem, wenn es ein so wichtiges Ziel war. Ein stilles Abschiedsgeschenk, denn was immer zwischen ihnen beiden war, es musste enden, sobald sie einen neuen Meister fand. Allein schon, um ihr eine Bindung zu ermöglichen, wie er sie selbst zu seinem Meister gehabt hatte - tiefgreifendes Vertrauen und Offenheit. Da durfte niemand im Weg stehen, sie niemand beeinflussen. Andenus' Worte erklangen auch nach so langer Zeit deutlich in seiner Erinnerung: Er durfte nicht zum Grund werden, warum Morwena zur Dunklen Seite zurückkehrte.
Das Leben eines Jedis erforderte Verzicht, und so würde er verzichten. Ein letztes Mal noch würde er alles tun, um ihr zu helfen, und dann - die Galaxis war weit. Vermutlich war alles, was auf Tython gewesen war, für sie mit diesem Planeten ohnehin gestorben - kein privates Wort seitdem, kein längeres Gespräch, keine getauschten Bilder oder Gedanken. Aloncor Torn lächelte matt, fast ein wenig wehmütig, was ihm einen schiefen Blick eines Rodianers eintrug, mit dem er fast kollidiert wäre.

So vieles hätte anders passieren sollen, und doch hatte die Macht ihn auf diesen Weg geführt. Es war nur richtig, sich ein weiteres Mal der Macht anzuvertrauen, um eine im Weltraum verloren gegangene Padawan zu finden.
Der anscheinend etwas tumbe Mann mit den altbackenen, einfachen Kleidungsstücken tauchte im Strom einer müde blickenden, ausgelaugten Masse unter und verschwand auf der schäbigen Promenade, seinem Ziel in kleinen Schritten zustrebend.

Über Nerd- Gedanken

Nerd-Frau Mitte 30 und Kreative aus Leidenschaft, die permanent unter Ideen-Überdruck leidet. Schreiben, zeichnen und neue Welten entwerfen sind meine Hauptbeschäftigung. Man findet man mich im Netz überall dort, wo interessantes Rollenspiel und faszinierende Menschen locken.

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